2008: Aufruf

Auch dieses Jahr steht er zur Ausbildungsbörse wieder auf dem Schulhof: Der große blaue Truck mit dem Eisernen Kreuz. Die Bundeswehr gibt sich alle Mühe, zwischen all den Unternehmen und Unis besonders aufzufallen.

Dauerwerbung
Allerdings sucht sie nicht nur heute, sondern das gesamte Jahr über, nach Gelegenheiten, die Aufmerksamkeit der SchülerInnen zu erlangen.
Immer öfter werden Projekttage, Exkursionen und ganze Klassenfahrten organisiert, bei denen sich Jugendoffiziere als Ansprechpartner in politischen Fragen anbieten. Dabei greifen diese dann ganz uneigennützig den Schulen unter die Arme, indem sie die Fahrten und Unterkünfte finanzieren und kostenlose Unterrichtsmaterialien zur Verfügung stellen.
Ganz nebenbei erzählen die Herren und Damen in Uniform dann noch, welch tolle Karrierechancen die deutschen Streitkräfte zu bieten hätten.
Ihr wichtigstes Ziel dabei: Junge Menschen, vor allem Schülerinnen und Schüler sowie junge Arbeitssuchende, für den Dienst beim Militär zu ködern.
Von den Risiken und Nebenwirkungen einer Anstellung als SoldatIn schweigen sie dabei gerne.

Töten lernen, kostenlos!
Es wird so getan, als sei SoldatIn ein ganz normaler Beruf. Dass es letztlich bedeutet, auf Befehl Menschen zu töten und gleichzeitig das eigene Leben zu riskieren, wird in der Regel nicht erwähnt. Geworben wird außerdem mit hohem Wehrsold und einem kostenlosen Studium – man muss sich allerdings 12 Jahre für den Dienst an der Waffe verpflichten und sich mindestens 1 Jahr im Ausland stationieren lassen.

Desweiteren gehören Misshandlungen, Beleidigungen und Rechtsradikalismus zum traurigen Alltag bei der Bundeswehr. Immer wieder gelangen sogenannte „Einzelfälle“ an die Öffentlichkeit, bei denen Wehrpflichtige oder Zeitsoldaten von ihren Ausbildern oder Kameraden schikaniert und gedemütigt werden. Erst im März 2008 wurden mehrere Unteroffiziere verurteilt, weil sie bei inszenierten Geiselnahmen insgesamt 163 Untergebene geschlagen und teilweise „zu Ausbildungszwecken“ gefoltert hatten.

Aber wofür braucht die Bundeswehr eigentlich so viele neue RekrutInnen? Um bei der nächsten Flutkatastrophe schneller Sandsäcke schleppen zu können? Oder um neue Brunnen für afghanische Dörfer zu bauen und die Bevölkerung mit Lebensmitteln zu versorgen?
Nein, auch wenn deutsche PolitkerInnen stets diesen Eindruck erwecken wollen, so ist doch allen Beteiligten klar, dass man mit Panzern und Kampfhubschraubern keine Brunnen baut.

Deutschland am Hindukusch verteidigen?
Das größte Aufgebot der Bundeswehr befindet sich mit 2.900 SoldatInnen in Afghanistan. Dabei ist es offenbar egal, dass die große Mehrheit der deutschen Bevölkerung laut Umfragen für einen baldigen Abzug der Truppen ist. Bei diesen Einsätzen geht es zudem nicht – wie behauptet – um humanitäre Hilfe oder „Friedenssicherung“. Stattdessen werden vor allem die wirtschaftlichen und strategischen Interessen Deutschlands verteidigt.

Der Einsatz wurde von Beginn an als „friedliche Aufbauarbeit“ angepriesen. Doch klar ist: Bereits mit der Besetzung und Verwaltung des ruhigeren Nordens leistete Deutschland wichtige Unterstützung für seine NATO-Verbündeten und die USA, damit diese, vor allem im Süden Afghanistans, den eigentlichen Krieg führen können.
Aber auch an diesem soll sich die Bundeswehr immer aktiver beteiligen: Zunächst mit deutschen Kampfflugzeugen, die Ziele für amerikanische Bodenkommandos ausspähen, und jetzt mit einer „schnellen Eingreiftruppe“, die direkt aufständische Afghanen bekämpfen soll.
Eigentlicher Zweck des Einsatzes: Auch Deutschland will sich einen Zugang zur rohstoffreichen Region des Nahen Osten sichern. Im Einsatzgebiet der Bundeswehr verdienen zudem bevorzugt deutsche Firmen am Wiederaufbau des zerstörten Landes.

Milliarden für den Krieg
Die Bundeswehr, die sich gerne als „Friedensarmee“ inszeniert, steht in Wirklichkeit genauso für Krieg und Aggression wie andere Armeen.
Wohin die Reise gehen soll, wird dabei immer deutlicher: Jedes Jahr werden mehrere Milliarden Euro für das deutsche Militär ausgegeben. 2008 sind es über 29 Milliarden Euro, nächstes Jahr werden es nochmal mehr sein.
Die deutsche Öffentlichkeit soll sich offenbar daran gewöhnen, dass Deutschland immer mehr „Verantwortung übernimmt“ und immer öfter junge SoldatInnen im Sarg nach Hause zurückkehren.

Zapfenstreich
Damit dieser Weg nicht weiterhin ungehindert beschritten werden kann, sollte der Bundeswehr endlich der Hahn abgedreht werden. Sowohl finanziell als auch beim Werben neuer RekrutInnen. Deshalb fordern wir:

Runter mit der Bundeswehr von öffentlichen Plätzen, Schulhöfen und Messegeländen!
Wir brauchen keine Jugendoffiziere und keine Werbung für den Kriegsdienst auf der Ausbildungs- und Studienbörse!

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