2004: Aufruf

Am 2. April findet im Bernauer Paulus-Praetorius Gymnasium wieder die alljährliche Jobbörse statt, mit dabei auch die Bundeswehr. Als vermeintlich „normaler Arbeitgeber“ getarnt, sollen so junge Menschen angeworben und der Militarismus in den Köpfen dieser verwurzelt werden. Die Schule erfüllt damit nicht ihre friedenerziehende Funktion, was vom größten Teil der SchülerINNEN kritiklos hingenommen wird. Natürlich keinesfalls verwunderlich, sind sie doch durch immer wiederkehrende platte Argumentationen, a la „die Bundeswehr schützt den Frieden“, schon stark vom gesellschaftlichen Militarismus vereinnahmt. Jedoch ist es gerade in Anbetracht der Tatsache, dass die Bundeswehr bei internationalen Interventionseinsätzen bereits den zweitgrößten Anteil an Soldaten stellt, sehr erschreckend. So sind deutsche Soldaten im Moment u.a. in Mazedonien, Kuwait, Dschibuti, Kenia, Georgien, Usbekistan, Afghanistan und vor der Küste Somalias, sowie im Kosovo und im Irak stationiert. Die Bundeswehr ist kein „ganz normaler Arbeitgeber“! Den größten Wiederspruch in dieser Selbstdarstellung wird die Bundeswehr, wie zu erwarten ist, selbst bringen: Zahlreiches mitgebrachtes Kriegsgerät, womit sie sich selbst von allen anderen Arbeitgebern abhebt und als das entlarvt was sie ist… Die Bundeswehr als DIE Verkörperung des Militarismus hat in einer Schule absolut gar nichts zu suchen! Beteiligt euch an den Aktionen! Informiert und engagiert euch!

Aus der Geschichte nicht gelernt….

„Wir wollen an keinem Krieg mehr teilnehmen. Wir haben genug Tote gehabt.“. Konrad Adenauer spiegelte mit diesem Zitat aus dem Jahre 1949 einen weit verbreiteten Gemütszustand der Nachkriegszeit wieder, „Nie wieder Krieg“ war der Konsens der im größten Teil der Bevölkerung in Deutschland vorherrschte. Doch obwohl sich Deutschland nach dem 2.Weltkrieg nie wieder an einem internationalen Kriegseinsatz beteiligen wollte und sollte, werden genau diese Grundsätze nach weniger als 65 Jahren wieder faktisch abgeschafft. Bereits kurz nach der Wiedervereinigung beteiligt sich Deutschland ’99 im Rahmen der NATO an einem Interventionskrieg in Jugoslawien. Der Anfang ist gemacht.

….wieder mit dabei

Die Schwelle war überschritten und der Weg geebnet für eine nicht ganz neue Machtpolitik. Wie von einem Klos im Hals hat man sich der eigenen Geschichte entledigt, um endlich wieder international mitreden zu können. Dieses „Mitreden“ ist geprägt durch das Ziel den eigenen Einfluss zu erweitern und die eigenen Interessen international durchzusetzen. Als Ausdrucksweisen dieser Politik gelten z.b. die so genannten Interventionseinsätze, also der Einfall in ein Land, welches sich z.b. in einer Bürgerkriegssituation befindet, und die Einmischung in diesen Konflikt zu eigenen machtpolitischen Zwecken.

Umbau zur Interventionsarmee

„Die Verteidigung deutscher Interessen beginnt am Hindukusch“ (Struck), beschreibt wohl am besten wozu die Bundeswehr benötigt wird. Nicht etwa zur Landesverteidigung, diese wird im Moment fast komplett abgebaut, sondern eben für Interventionseinsätze in aller Welt…. EU heißt der Deckmantel der Deutschland die Möglichkeit bietet wieder mit einer schlagkräftigen Armee international aufzutreten, ohne an sein Naziimage erinnert zu werden.

Die Bundeswehr auf der Jobbörse…

Um den Funktionswandel zu vollbringen und dem deutschen Großmachtstreben gerecht zu werden ist natürlich eine junge intellektuelle Elite nötig. Genau diese soll auf der Jobbörse angeworben werden. Oberflächlich betrachtet unterscheiden die BW sich damit kaum von anderen Arbeitgebern – für den Fall, dass man absolute Unterwerfung bis hin zum Schießbefehl auf andere Menschen als normale Schikanen der Arbeitswelt bezeichnen kann.

….Militarismus an Schulen

Militarismus, also das Übergewicht militärischer Grundsätze, Ziele und Wertvorstellungen, ist nicht allein ein staatliches Problem sondern auch ein geistiges Ungetüm das die Bundeswehr mit ihrem Auftritt auf der Jobbörse versucht vor allem in die Köpfe der jungen Generationen zu tragen. Die Bundis werden auf vielerlei Art und Weise versuchen für die junge Leute ansprechend zu wirken und sich selbst ein modernes bzw. cooles Image zu verpassen. „Trendy“ will man sein und damit die gesellschaftlich Akzeptanz fördern.

Wir akzeptieren weder die Bundeswehr in Schulen noch in anderen öffentlich Einrichtungen. Wir fordern den Ausschluss der Bundeswehr von der Jobbörse und die Teilnahme militarismuskritischer Gruppen an der Jobbörse im Sinne der Friedenserziehung. Ausserdem fordern wir die Schulen zu einem kritischerem Umgang mit sich selbst auf. So sollte die Friedenserziehung einen weitaus höheren Stellenwert im Lehrplan einnehmen. Es sollte mit den SchülerINNEN öfter über zivilgesellschaftlich Lösungsansätze in Konfliktsituationen als alternative zu kriegerischen Mitteln diskutiert und eine kritische Position zum Thema Militarismus eingenommen werden.

Bernauer Antimilitaristen

Plakat Bernau 2004

Termine

2. April 2004
ab 11 Uhr – Bernauer Job und Ausbildungsbörse am Paulus-Praetorius Gymnasium
16.30 Uhr – Kundgebung „Abrüstung statt Sozialabbau“ – Jahn Straße (an der Geschwister-Scholl Schule/gegenüber vom PPG)

3. April 2004
20 Uhr – Anti-Bundeswehr Konzert – GUWA mit Seni und Zimmer mit Aussicht (beide Gitarrenrock aus Bernau) GUrkenWAsser -> S-Bhf Friedensthal/beim Autohaus